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Die Historie des Pferdes

Das Pferd hat dem Menschen zu unterschiedlicher Nutzung zur Verfügung gestanden. Vorerst war es gejagtes Wild, wurde für die Zucht verwendet und als Zug- und Tragtier genutzt. Im Laufe der Zeit, veränderte sich das Mensch-Pferd-Verhältnis und es entwickelte sich ein humanes Verständnis. Das Pferd wurde als Partner des Menschen angesehen. Es wird heute sportlich genutzt oder als Freizeitpartner gehalten und immer häufiger zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.

Pferde werden schon seit der Antike als edle Tiere gesehen und verehrt. Ihre stolze Haltung, ihr Körperbau, und ihre ästhetische  Erhabenheit üben eine Faszination aus. Das Pferd löst beim Menschen eine subjektiv-affektive Reaktion aus. Xenophones (430 v. Chr.) hob bereits die Wechselwirkung zwischen Pferd – Mensch hervor. Er betonte den metaphysischen Gedanken der Einheit zwischen Körper, Geist und Seele. Hippokrates (460 v. Chr.) erwähnte das Reiten mit einer „ heilsamen Wirkung“.

Die Germanen schrieben dem Pferd sogar göttliche Kräfte zu, weil Pferde Gefahren sehr früh wahrnehmen können. Bereits im Jahr 1980 wurde erkannt, dass die Schwingungen des Pferdes das sympathische Nervensystem aktivieren. Das Pferd wird daher heute  in verschiedenen Bereichen der Pädagogik und Therapie eingesetzt. Es ist Interaktionspartner mit seinem natürlichen Beziehungs- und Kommunikationsangebot und bietet vielseitigen sozialen und körperlichen Kontakt und gerade in unserer technisierten Welt einen idealen Ausgleich.

Das Individuum Pferd als Partner des Menschen

Pferde haben besondere Merkmale im Verhalten. Diese gilt es zu berücksichtigen, damit Gefahrensituationen vermieden werden können. Pferde sind sowohl aktiv, als auch sensibel. Sie sind verschiedenartig in ihrer Psyche und ihrer Körperlichkeit. Sie leben sozial und friedlich in einem Herdenverband. Rangordnungen herrschen vor. Sie bewegen sich gerne und viel. Neugierig lassen sie sich auf Herausforderung ein und zeigen Lernbereitschaft. Sie reagieren sensibel auf Berührungen und genießen das Bürsten des Fells. Da ihre Augen seitlich am Kopf sind, haben sie einen anderen Blickwinkel als Menschen und können größere Flächen überschauen. Selbst beim Fressen haben sie einen Blick auf das Geschehen um sie herum. Da das Pferd seine Trichterohren einzeln und unabhängig voneinander drehen kann, kann es akustische Reize  sehr differenziert wahrnehmen. Die Lautstärke unserer Sprache wirkt daher direkt und ungefiltert auf das Verhalten des Pferdes. Das Pferd hat zudem hervorragende Charaktereigenschaften. Pferde sind friedlich, mutig und niemals nachtragend. Dazu haben sie einen starken Willen und Freiheitsdrang und dennoch die Bereitschaft dem Menschen zu folgen. Sie zeigen sehr differenziert ihre Körpersprache, ihre Gefühle und Stimmungen, diese können sehr schnell Wechseln und ein feines Gespür des Menschen ist somit gefordert adäquat zu reagieren. Das Pferd stellt sich als Kontakt und Beziehungspartner zur Verfügung. Dieses besondere Verhältnis stellt eine Grundlage der Motivation des Menschen dem Pferd gegenüber dar. Es ordnet sich trotz seiner Größe und Kraft dem Menschen unter. Minimale Signale reichen zur Lenkung des Pferdes aus. Das Pferd verfügt über verschiedene Gangarten, Schritt, Trab, Galopp und seltener über Tölt und Pass. Schritt ist ein Viertakt, Trab ein Zweitakt und Galopp ein Dreitakt zur Vorwärtsbewegung. Dieser unterschiedliche Rhythmus, löst Bewegungsimpulse aus und auch die damit verbundene Geschwindigkeit erzielt eine spezielle  Wirkung  beim Reiter. Das Verhältnis Pferd-Mensch, der Kontakt und die Bewegung, als ganzheitliche Stimulation, bilden daher eine ideale Ausgangsbasis für die Reittherapie. Das Erlernen reiterlicher Kenntnisse ist zweitrangig, vorrangig ist die individuelle Förderung von Kompetenzen des Einzelnen als ganzheitliche Erfahrung.

Tabitha Klatt
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staatlich-anerkannte Heilpädagogin  und zertifizierte Reittherapeutin

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© SteigAuf e. V. - Tabitha Klatt   --- Auszüge und Zitate nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Autorin.

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